
Paris Champs-Élysées
146 km
Sonntag 29 Juli
Alberto Contador und Cadel Evans haben sichergestellt, dass nicht mit der alten Tradition gebrochen wurde, aus der letzten Etappe nach Paris eine Parade zu machen. Zu Beginn der 20. Etappe trennten die beiden Führenden in der Gesamtwertung nur 23" – ein so geringer Zeitabstand, dass sich Bonussekunden auf das Gesamtergebnis hätten auswirken können – aber keiner der beiden Fahrer kam den Sprintspezialisten am Ende der Etappe in die Quere. Daniele Bennati erfuhr für sein Lampre-Team den zweiten Sieg auf den Champs-Elysées nach 2001, während der 24-jährige Spanier Contador sich den Titel mit dem gleichen Vorsprung holte, den er bereits nach der vorletzten Etappe hatte.
Die letzte Etappe der 94. Tour de France begann um 14h01. Es gingen 141 Fahrer an den Start. Die 146km lange Strecke von Marcoussis auf die Champs-Elysées in Paris bot zwei Anstiege der Kategorie 4 (Côte de St-Remy-les-Chevreuse bei km 51 und Côte de Chateaufort bei km 54,5km) und zwei Zwischensprints: den ersten in Chatenay-Malabry (bei km 74) und den zweiten zu Beginn der Champs-Elysées in der dritten von acht Runden auf dem Abschlussparcours (bei km 108,5).
Immer mit der Ruhe…
Das Hauptfeld fuhr in gemächlichem Tempo, bis es die Avenue des Champs-Elysées erreichte. Das Feld überquerte die Linie für den Start der ersten Runde um 16h55, 40 Minuten später als die langsamste Zeit, die im Zeitplan der Tour angegeben war. Steegmans (QSI) war Erster in der Wertung beider Anstiege, und es gab keinen Kampf um den ersten Zwischensprint. Die Punkte holten sich Jegou (FDJ), gefolgt von zwei Quickstep-Fahrern – Barredo und De Jongh.
10 Fahrer machen die Abschlussrunden spannend
Bichot (AGR) war der erste, der sich 48km vor dem Ziel vom Hauptfeld absetzte. Er wurde 5km später eingeholt. Gutierrez und Portal (GCE), Flecha (RAB), Gerrans (A2R), Ballan (LAM), Scholz (GST), Charteau (C.A), Fisher (LIQ), Delage (FDJ) und Knees (MRM) unternahmen den ersten ernsthaften Ausreißversuch, als sie 40km vor dem Ziel das Tempo anzogen. Discovery Channel setzte sich anfänglich an die Spitze der Verfolgergruppe, aber 32km vor dem Ziel wurde das Team in dieser Rolle von Barloworld abgelöst. Das Hauptfeld hatte zu diesem Zeitpunkt 30” Abstand auf die Ausreißer. Der Vorteil währte eine halbe Minute, bis 5,5km vor dem Ziel das Team Lampre-Fondital die Kontrolle im Hauptfeld übernahm. Flecha und Gutierrez unternahmen letzte Anstrengungen, den Vorsprung auf das Hauptfeld zu halten, aber diese wurden durch eine starke Verfolgung von Lampre-Fondital vereitelt.
Bennati holt den zweiten Sieg
Weitere Sprintteams schoben sich auf den letzten beiden Kilometern nach vorn, als Crédit Agricole und Quickstep an der Spitze des Hauptfelds das Tempo mitverschärften. Es war ein hektisches Finale, aber Bennati beendete die Arbeit seiner Kollegen, indem er seinen zweiten Etappensieg innerhalb von vier Tagen vor den fünf Fahrern holte, die in der Punktewertung vor Start der Etappe vor ihm lagen: Hushovd, Zabel, Hunter und Boonen.
Contador führt Discovery zu neuer Blüte
Nachdem es Discovery Channel im letzten Jahr nicht gelang, einen einzigen Fahrer unter den ersten zehn der Gesamtwertung zu platzieren, beendet das Team die Tour de France 2007 mit dem ersten, dritten und achten Platz. Alberto Contador folgte Cadel Evans über die Ziellinie und beschloss die letzte Etappe als 36., wurde somit aber der letzte Fahrer aus dem Team von Johan Bruyneel, der sich den Tourtitel holt. Levi Leipheimer wurde heute 37. und die Tatsache, dass die drei Führenden in der Gesamtwertung nacheinander die Ziellinie überquerten, zeigt, wie genau sie sich während der Etappe heute beobachtet haben. Alberto Contador eroberte seinen ersten Titel bei der Tour de France mit einem Vorsprung von 23 Sekunden auf Evans und 31 Sekunden auf seinen Teamkollegen. Es ist der engste Zeitabstand zwischen den drei Erstplatzierten in der Geschichte der Tour de France.
Levi Leipheimer beendet die Tour als Dritter mit nur 8’’ Abstand auf Cadel Evans. Aber das Ergebnis übertrifft bereits seine Erwartungen.
„Es ist wirklich unglücklich gelaufen, dass ich die Strafzeit auf der 8. Etappe hatte, ansonsten wäre ich jetzt Zweiter der Gesamtwertung, aber das gehört auch zum Rennen dazu. Ich könnte mich genauso gut hinsetzen und alle Sekunden zählen, die ich im Laufe des Rennens verloren habe. Es gibt einen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Platz, aber beim zweiten und dritten Platz ist es etwas anderes. Ich bin überglücklich, dass ich auf dem Siegertreppchen stehe. Ich habe mein ganzes Leben lang davon geträumt, bei der Tour de France mitzufahren. Ich schaue sie mir an, seit ich ein Kind war. Eine Etappe zu gewinnen und am Ende auf dem Siegerpodium zu stehen, genügt mir vollkommen. Ich trete jetzt in die Fußstapfen der Amerikaner, die vor mir bei der Tour auf dem Siegerpodest standen. Für mich ist das eine große Ehre. Ich bin mit dem Toursieg von Greg LeMond aufgewachsen, und das hat mich inspiriert. Sollte ich eines Tages jemand anderen inspirieren, wäre das toll.“
Als Fünfter des Finales auf den Champs-Elysées holt sich der belgische Sprinter das erträumte Trikot und erfüllt sich eines der großen Ziele seiner Karriere.
„Ich bin heute mit dem Ehrgeiz gestartet, diese Etappe zu gewinnen, aber auf dem Rundkurs habe ich mich vor allem auf den Reifen von Zabel und Hunter konzentriert. Es war nicht so, dass ich nicht die Beine gehabt hätte. Ich wollte es ganz einfach über die Linie schaffen, das war alles.
Es ist wirklich etwas ganz Besonderes. Man kann dieses grüne Trikot nicht mit einem Sieg bei einer klassischen Rundfahrt oder den Weltmeisterschaften vergleichen. Es ist auf jeden Fall sehr wichtig. Für mich zählt es zu den höchsten Zielen bei der Tour.“
Der australische Fahrer, der die Tour mit 23’’ Abstand auf Alberto Contador in der Gesamtwertung abschließt, ist vor allem zufrieden, sein Anfangsziel erreicht zu haben: auf dem Siegerpodest zu stehen.
„Wir hatten den Plan, um die Bonussekunden zu kämpfen, aber die Strategie der anderen Teams hat unsere Chancen zunichte gemacht. Im Finale ging es sehr schnell zu, sogar sehr gefährlich. Selbst Boonen hat es am Ende vorgezogen, auf Nummer sicher zu gehen.
Das ist der zweitkleinste Zeitabstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten in der Geschichte der Tour. Ich habe Contador seit dem Abend der Ankunft in Loudenvielle verfolgt, wo ich mit 55’’Abstand auf ihn eintraf. Ich glaube, dass die Zuschauer jetzt verstehen werden, warum ich um eine gute Platzierung in der Gesamtwertung fahre und nicht um Etappensiege kämpfe. Und trotzdem habe ich im Vorbeigehen noch das Zeitfahren in Albi gewonnen, auch wenn ich noch nicht zum Sieger erklärt wurde. Gäbe es beim Zeitfahren Bonussekunden, läge ich nur 3’’ zurück! Aber das wäre noch frustrierender.
Es ist ein sehr gutes Ergebnis, auf dem Siegertreppchen zu stehen. Dafür habe ich trainiert und das hatte ich mir von meinem Tourstart erhofft.“
Bei seiner ersten Tourteilnahme ist es Mauricio Soler gelungen, sich anzupassen und seinen Anspruch als ernstzunehmender Bergfahrer auszubauen.
„Ich bin immer schon mit sehr viel Ernst bei der Sache gewesen. Und wenn man seine Sache gut macht, gibt es keinen Grund, warum die Ergebnisse ausbleiben sollten. Ich bin bei dieser Tour ohne festes Ziel gestartet, aber umso wichtiger ein Rennen ist, umso motivierter bin ich. Die Tour reizt dazu, über sich selbst hinauszuwachsen und etwas zu versuchen. Obwohl es meine erste Tour war, bin ich ohne Komplexe an den Start gegangen. Ich muss sagen, dass ich sehr fit war, als wir in die Alpen kamen. Ich merkte, dass ich eine Superform hatte, also dachte ich mir, dass ich etwas riskieren müsste. Es war die Lust am Fahren, die mich angetrieben hat, und auch meine Familie. Ich habe jeden Tag an meine Familie, meine Frau und meine Bekannten in Kolumbien gedacht. Und jetzt weiß ich, dass ich etwas Grandioses erlebt habe.“
Der Sieger der Tour 2007 gesteht, dass er bis zum letzten Moment gezittert hat, aber der junge Fahrer aus Madrid, der gerade mal 24 Jahre alt ist, ist souverän mit dem Druck umgegangen.
„Ich bin nicht mit dem Gedanken bei der Tour an den Start gegangen, dass ich Gesamtsieger werden könnte. Es stimmt, dass ich nach meinem Sieg beim Rennen Paris-Nizza im letzten März wusste, dass ich zu großen Leistungen fähig bin, aber es ist immer schwierig, sich ein Szenario wie dieses vorzustellen. Ich wusste erst nach dem gestrigen Zeitfahren, dass ich gewinnen würde. Das ist wirklich der härteste Tag der Tour für mich. Ich hatte Angst, aber ich war auf einen solchen Tag vorbereitet. Und letztendlich hat alles gut geklappt.“
Der italienische Fahrer lässt die besten Sprinter des Hauptfelds auf der Ziellinie auf den Champs-Elysées hinter sich. Er holt sich seinen zweiten Etappensieg bei der Tour de France.
„Für einen Fahrer für mich geht ein Traum in Erfüllung, in Paris zu gewinnen. Ich bin bei der Tour de France mit dem Ziel angetreten, eine Etappe zu gewinnen, und jetzt habe ich zwei geholt. Ich kann noch gar nicht realisieren, was da mit mir passiert. Jetzt werde ich vielleicht ein wichtiger Fahrer, mit den Siegen, die ich vorzuweisen habe. Ich definiere mich aber nicht als reiner Springer. Den Etappensieg in Castelsarrasin habe ich übrigens auch nach einer langen Alleinfahrt geholt.
In letzter Zeit hatte ich viele körperliche Beschwerden und nach allem, was passiert ist, habe ich den Eindruck, dass meine Karriere jetzt erst richtig anfängt.“
Contador beendet die Etappe als 36., einen Platz hinter Cadel Evans. Der Spanier gewinnt im Alter von 24 Jahren die Tour de France.
Die fünf besten Fahrer auf der 20. und letzten Etappe der Tour de France 2007:
1. Daniele Bennati (ITA), LAM
2. Thor Hushovd (NOR), C.A
3. Erik Zabel (GER), MRM
4. Robert Hunter (RSA), BAR
5. Tom Boonen (BEL), QSI
Bennati hat sich gegenüber Zabel, Hushovd und Hunter durchgesetzt und holt sich seinen zweiten Sieg bei der Tour de France 2007.
Das Lampre-Taem liegt immer noch an der Spitze des Hauptfelds. Alle großen Sprintspezialisten sind in der Spitzengruppe vertreten.
Zu Beginn der letzten Runde haben Flecha und Gutierrez 8" Vorsprung auf das Hauptfeld.