Tagebuch der Etappe

etappe 7 - Brioude Aurillac 159 km
Freitag 11 Juli

Sanchez wie ein ganz GroĂźer

Im Finale einer ereignisreichen Etappe ist Luis-Leon Sanchez aus einer Gruppe von etwa zwanzig Fahrern ausgerissen, in der alle Favoriten des Rennens zu finden waren. Bevor sich die erfolgreiche Tagesattacke, die auch schon von L.L. Sanchez eingeleitet wurde, gestalten konnte, sind mehrere Mannschaften an der Abstrafung vorbeigestreift, als ein Sturz zu einem Bruch im Peloton führte, der zudem vom Team CSC genutzt wurde. De la Fuente hat eine kurze Verschnaufpause genutzt, um am Pas de Peyrol und dann auch am letzten Anstieg das Gepunktete Trikot des besten Kletterers zu erobern. Auf den zehn letzten Kilometern aber konnte nur ein Ausreißertyp wie L.L. Sanchez, der bereits zwei ähnliche Attacken bei Paris-Nizza gefahren ist, die Etappe für sich entscheiden.

Keine Ausfahrten zugelassen
Vielerlei Ambitionen verschiedener Mannschaften verhindern die Bildung jedweder Ausreißergruppen im ersten Abschnitt der Etappe. Moreau (AGR) und Frischkorn (GAR) versuchen erfolglos eine Attacke (km 4), die Situation bleibt zunächst blockiert bis zur Côte de la Fraisse (km 11). Danach starten fünf andere Fahrer einen weiteren Angriff, mit Arnaud Gérard (FDJ) als Anführer, dann Gutierrez (GCE), Quinziato (LIQ), Arrieta (ALM) und Pineau (BTL). Diesmal ist die Verlockung des Zwischensprints von Saint-Flour (km 46) zu verlockend für die Punktejäger, die dort ihren Wettstreit austragen wollen: Hushovd erobert nur 2 Punkte.

Opportunistisches Team CSC
Millar (GAR), Voigt (CSC), Barredo (QST), Florencio (BTL), Scholz (GST) und dann Vaugrenard (FDJ) bilden im zweiten Anstieg des Tages eine neue Ausreißergruppe, die von vorne herein durch die Präsenz des Schotten verurteilt ist, der im Generalklassement nur 47“ Rückstand auf Kirchen aufweist. Während der Verfolgung durch die Fahrer vom Team Columbia ändert ein Sturz im Hauptfeld bei km 55 komplett die Vorgaben. Der daraus entstandene Bruch wird vom Team CSC genutzt, das zu dem Zeitpunkt sechs Fahrer vorne hat. Das erhöhte Tempo führt umgehend zur Einholung der Ausreißer, die jetzt in einer größeren Gruppe fahren, die beabsichtigt, einige der durch den Zwischenfall ins Hintertreffen geratene Kapitäne in Schwierigkeiten zu bringen. Insgesamt gehören 25 Fahrer dieser Gruppe an: Evans, Cioni (SIL), Cancellara, Gustov, F.Schleck, A.Schleck, Voigt (CSC), Valverde, Pereiro, Sanchez (GCE), Kirchen, Lövkvist (COL), Pozzato, Kreuziger, Nibali (LIQ), Menchov, Freire (RAB), Kohl (GST), Vaugrenard (FDJ), Ricco, Cobo (SDV), Millar, VandeVelde (GAR).

Chavanel von der Entscheidung ausgeschlossen
Angesichts der drohenden Gefahr arbeiten Cunego und seine Gefährten vom Team Lampre am Anschluss, der bei km 93 zustande kommt . Die Rennspitze ist zu dem Zeitpunkt nur noch wenige Kilometer vom Anstieg zum Col d’Entremont entfernt, an dem L.L.Sanchez (GCE) und Jufre Pou (SDV) als Erste angreifen, auf halber Höhe des Anstiegs stoßen dann De la Fuente (SDV) und Nibali (LIQ) hinzu. Mit 1’15’’ Vorsprung am Pass fahren die vier Ausreißer alleine weiter. Sie erreichen den Pas de Peyrol mit 50’’ Vorsprung auf den Gegenangreifer Mikel Astarloza (EUS) und 1’30’’ auf das Hauptfeld. Während dessen ist Sylvain Chavanel von der Entscheidung um das Gepunktete Trikot ausgeschlossen : die Gruppe, in der er hängen geblieben ist, liegt 11’ hinter dem Peloton. Ein weiterer Verlierer des Tages ist Christophe Moreau, der durch Aufgabe aus dem Rennen ausscheidet.

L.L.Sanchez, wie bei Paris-Nizza
Die Auseinandersetzung zwischen Nibali, L.L.Sanchez, De la Fuente und Jufre Pou wird bei der ersten Schwierigkeit erwartet, einem steilen Anstieg über 1,7 km. De la Fuente löst sich, um sich das Gepunktete Trikot zu sichern, hinter ihm aber trägt sich eine gnadenlose Auswahl zu. Am Scheitelpunkt, d.h. 9 km vor dem Ziel, liegen 23 Fahrer – mit allen Hauptfavoriten der Tour – an der Spitze. Als Spezialist auf diesem Gebiet, der sich bereits an der Côte d’Azur – 2006 in Cannes und 2007 in Nizza – bewährt hat, nimmt Luis-Leon Sanchez 4 km vor dem Ziel eine gewaltige Anstrengung auf sich und setzt sich von der Elite ab. Er reißt nach seinem Alleingang auf der Ziellinie von Aurillac die Arme hoch und erringt seinen ersten Sieg bei der Tour.

 

David De la Fuente – „Bei mir ist es immer Alles oder Nichts“

Nach einem zögerlichen Beginn bei der Tour konnte David De la Fuente heute das Gepunktete Trikot überstreifen, das er bereits bei der Tour 2006 getragen hat.

« Es war heute morgen doch recht schwierig, denn wir haben schließlich zwei Fahrer der Mannschaft verloren, die sich zudem ziemlich schwer verletzt haben. Gleichzeitig fing es gestern an, wieder besser zu laufen, mit dem Sieg von Ricco, und auch ich habe mich immer besser gefühlt. Der Anfang der Tour war im Grunde sehr schwierig, denn ich fühle mich besonders schlecht bei Kälte oder im Regen. Sobald die Straße zu nass wird, werde ich ängstlich, und deswegen habe ich in den ersten Etappen Zeit verloren.
Heute hingegen fühlte ich mich in Topform. Bei mir ist es immer Alles oder nichts, von einem Tag zum anderen. Am Start habe ich mich daran gemacht, meinen Teamgefährten zu unterstützen, der vorne dabei war, dann habe ich erkannt, dass ich einen Coup landen konnte. Jetzt hoffe ich, dieses Bergtrikot auch zu behalten, ich möchte aber auch einen ruhigen Tag verleben. Ideal wäre eine Ausreißergruppe mit mehr als vier Fahrern und dass ich keine Punkte holen gehen muss. »

 

Luis-Leon Sanchez – „Ich brauchte diesen Sieg“

Der Tagessieger hat im Finale der Etappe einen gewaltigen Alleingang durchgezogen. Er wird nun zu seiner Rolle als Leutnant im Team Caisse d’Epargne zurückkehren.

« Mein Sieg ähnelt dem, den ich bei Paris-Nizza errungen habe, ist aber doch wieder anders. Seinerzeit versuchte ich, den Sieg in der Gesamtwertung zu erringen, es gab in diesem Finale also wirklich absoluten Siegeswillen. Heute war es etwas Anderes.
Ich hatte einen schwierigen Tourbeginn, ich brauchte somit diesen Sieg. Ich hatte ein sehr schlechtes Zeifahren in Cholet, bei dem ich gegen einen Randstein gefahren bin, und ich hatte zudem auch noch technische Probleme. Jetzt geht es viel besser. Als ich sah, dass eine Gelegenheit zum Greifen nah war, habe ich zugepackt. Als wir danach aber wieder eingeholt wurden, dachte ich, es sei vorbei. Dann hat Pereiro zu mir aufgeschlossen, er hat mir geholfen, und daraufhin habe ich wieder daran geglaubt. Gerade deswegen muss ich meinen Teamgefährten danken, die tolle Arbeit geleistet haben. Ich widme diesen Sieg vor allem meinem Bruder, der verstorben ist.
Ab morgen kann ich wieder meine Rolle in der Mannschaft übernehmen, die darin besteht, Alejandro und Oscar zu helfen, den beiden Fahrern im Team, die in der Lage sind, das Gelbe Trikot nach Paris zu fahren.»

 

Kim Kirchen- « Ich hatte alles unter Kontrolle… »

In einer Etappe, in deren Zusammenhang man sich an den Gewaltmarsch des CSC-Teams erinnern wird, durch den das Peloton in StĂĽcke gerissen wurde, hat Kim Kirchen ein wenig Respekt vor seinen beiden Landsleuten bei der Tour de France verloren. Er hat nicht recht verstanden, was die Mannschaft der beiden Schleck-BrĂĽder genau bezweckt hat, sagte aber, dass er sich dieser Herausforderung dann sogleich gestellt hat.

„Meine Teamgefährten hatten einen ziemlich harten Tag. Ich hatte alles unter Kontrolle, und, na ja, beim letzten Anstieg im Finale war ich ein wenig auf mich selbst gestellt, ich hatte aber starke Beine und konnte selbst den besten Fahrern folgen.
„Frank Schleck und ich waren Freunde, aber jetzt, wo wir gegen einander fahren, sieht es ein bisschen anders aus. Wir haben heute gesehen, dass seine Mannschaft alles versucht hat, um mir das Gelbe Trikot abzunehmen. Es gibt zwei Fahrer bei CSC, über die ich nicht so glücklich bin. Sie haben versucht, das gesamte Peloton in Stücke zu reißen, als meine Mannschaft sehr harte Arbeit geleistet hatte, und ich glaube nicht, dass das sehr fair war.
“Meine Mannschaft hat vom Start an sehr gut kontrolliert. Sie haben hart gearbeitet, und ich brauchte bloß zu folgen. Dann, als CSC nach vorne gekommen ist, um zu fahren, haben sie gesehen, dass die Mannschaft ein paar Schwierigkeiten hatte, weil wir schon 50 km mit Vollgas gefahren waren. Und ich konnte nicht richtig verstehen, was sie damit bezweckten. Jetzt aber bin ich froh, dass wir immer noch das Gelbe, das Grüne und das Weiße Trikot im Columbia-Team haben.
“Ich bin den letzten Anstieg in Kontrolle angegangen, es gab nur einen Augenblick, als ich 200 Meter mit voller Kraft absolvieren musste, aber auch das ist mir gelungen, und alles ist nach Plan gelaufen.
“Wenn ich vorne liege, warum sollte ich nicht sprinten, um Punkte für das Grüne Trikot zu gewinnen? Vielleicht verliere ich das Gelbe Trikot wieder, dann bin ich nachher froh, wenn ich das Grüne habe.”

 

Agenturmeldungen

17:14 - Die Top 5 der Etappe

1. LL.Sanchez
2. Schumacher
3. Pozzato
4. Kirchen
5. Valverde

17:13 - Schumacher Zweiter

Der Gerolsteiner-Fahrer gewinnt den Sprint der Verfolgergruppe

17:12 - Sieg von LL. Sanchez

Der Spanier erringt seinen ersten Sieg bei der Tour de France

17:11 - Unter dem ‚roten Teufelslappen’

Sanchez ist immer noch allein vorne, er hat 10“ Vorsprung

17:10 - Vorsprung nimmt leicht zu

2 km vor dem Ziel hat LL. Sanchez 15“ Vorsprung auf die Gruppe um das Gelbe Trikot