
Monaco
15.5 km
Sonnabend 4 Juli
Der Schweizer Spezialist im Zeitfahren, der bei den Olympischen Spielen (2008), den Weltmeisterschaften (2006 und 2007) und allen großen Spezialwettbewerben siegreich war, hat einmal mehr seine Überlegenheit gegenüber dem Rest des Felds unter Beweis gestellt. Fabian Cancellara, der bereits das Eröffnungs-Zeitfahren in Lüttich 2004 und dann 2007 in London gewann, holt sich zum dritten Mal das gelbe Trikot auf der ersten Etappe und sichert sich so nach Compiègne (2007) seinen vierten Sieg bei der Tour. Bevor Cancellara in Erscheinung trat, gab Leipheimer lange den Ton an. Er wurde von Klöden abgelöst, aber es sollte letztendlich Alberto Contador sein, der sich in der Formation von Astana mit der zweitschnellsten Tageszeit und 18’’ Abstand auf Cancellara am antrittsstärksten zeigte.
Van Hummel als Vorhut
Bei seiner ersten Teilnahme an der großen Rundfahrt wurde Kenny Van Hummel (Hol – SKS) die Ehre zuteil, das Zeitfahren zu eröffnen. Seine Zeit diente jedoch nicht lange als Maß aller Dinge: Er verlor die Führung in der vorläufigen Wertung schnell an Wrolich (AUT – MRM), dann an Brice Feillu (FRA – AGR), Said Haddou (FRA – BB0), Luis Pasamontes (ESP – GCE) und Maxime Monfort (BEL – THR).
Martin bestätigt seine Leistung
Die mit großer Spannung erwartete Rückkehr von Armstrong wurde gegenüber den sonstigen Gepflogenheiten des Texaners merklich vorgezogen, der sich entschloss, möglicht früh in das Geschehen einzugreifen, um mögliche Regenfälle am späten Nachmittag zu vermeiden. Der Amerikaner zeigte sich ausreichend stark, um vorübergehend die Führung auf dieser Etappe zu übernehmen, aber sein Einsatz reichte nicht aus, um sich unter den Favoriten des Tages zu platzieren. Regelmäßige Zuschauer konnten im Laufe der Saison den Aufstieg des talentierten Tony Martin beobachten. Auf dem Anstieg der heutigen Strecke lag der Hoffnungsträger des Teams Columbia – THC mit 12’’ vor dem siebenmaligen Tour-Sieger. Im Ziel hatte er noch 7’’ davon verteidigt.
Leipheimer als Trumpfkarte
Levi Leipheimer entschied sich bei der Planung seines Renntags für eine ganz ähnliche Strategie wie Armstrong. Als Spezialist im Einzelzeitfahren rang der „andere“ Amerikaner im Team Astana, der sich bereits im Zeitfahren von Angoulême 2007 durchsetzte, Martin drei magere Sekunden ab. Anschließend traten mit Bert Grabsch, David Millar oder auch Marzio Bruseghin die Anwärter auf den Sieg in Erscheinung, aber diese großen Fahrer fanden nicht den richtigen Rhythmus, um Leipheimer auf dem unebenen Kurs den Schneid abzukaufen. Der Tscheche Roman Kreuziger scheint besser gewappnet und wird Leipheimer zeitweise gefährlich, verfehlte dessen Zeit letztendlich aber um zwei Sekunden.
Cancellara setzt den Schlusspunkt
Die Leistungsfähigkeit von Andreas Klöden zeichnete sich auf dem Anstieg nach Beausoleil ab, wo er den Messpunkt mit besserer Zeit als Armstrong passierte, aber der Deutsche zeigte sich vor allem auf dem zweiten Teil der Strecke stärker. Auf der Ziellinie hatte er sich dank seiner Leistung einen Vorsprung von 8’’ erfahren. Der „Joker“ des Teams Astana konnte sich jedoch nur solange freuen, bis die letzten Fahrer über die Ziellinie gingen, die sich einen königlichen Kampf lieferten. Bradley Wiggins verkürzte die Bestzeit um weitere 3’’ und legte die Messlatte hoch, aber seine Position war fragil. Fabian Cancellara, „die rollende Maschine“, absolvierte die zweite Hälfte der Strecke in Schallgeschwindigkeit und setzte allen Diskussionen ein Ende. Er war mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 47,6 km/h unterwegs und holte sich nach Lüttich (2004), London (2007) und Compiègne (2007) seinen vierten Etappensieg bei der Tour. Klöden, der der Vorstellung des Meisters hilflos beiwohnen musste, überließ auch noch seinen Platz als stärkster Fahrer im Team Astana Alberto Contador, der den zweiten Rang in der Tageswertung belegte und sich dank der Bestzeit am Anstieg von Beausoleil das gepunktete Trikot sicherte.
Der Olympiasieger im Zeitfahren lässt seine möglichen Rivalen in Monaco auf der Strecke.
Ich konnte bei zahlreichen Zeitfahren unter Beweis stellen, dass ich schnell bin und jetzt auch, dass mit mir zu rechnen ist. Es war schwer, wieder an meine alte Spitzenleistung anzuknüpfen und daher genieße ich es heute nach einem so schönen Rennen außerordentlich, das gelbe Trikot zu tragen. Die Rennen im Frühjahr waren heikel, und danach war es nicht leicht, aber ich habe hart gekämpft. Ich wollte meine Geschwindigkeit und Kraft wiederfinden. Und schließlich habe ich die Tour de Suisse gewonnen, mit der gleichen Rückennummer, die ich vor zwei Jahren in London getragen habe, der 33. Das finde ich gut! Ich habe versucht, alle Energie aus mir herauszuholen, die ich habe. Ich musste vorsichtig sein, um beim Anstieg nicht über meine Grenzen zu gehen. Danach habe ich bei der Abfahrt alles gegeben, aber ich habe auch an die letzten fünf Kilometer gedacht, die flach erscheinen, aber nicht einfach sind. Als Favorit gehandelt zu werden und zu beweisen, dass das berechtigt war, ist gut, aber ich musste genauso kämpfen wie alle anderen. Jetzt habe ich das gelbe Trikot und ich hoffe, es möglichst lange zu tragen.
Der Toursieger 2007 holt sich zum Auftakt der 2009er Auflage den zweiten Platz in Monaco. Mit der besten Zwischenzeit am Anstieg von Beausoleil sichert er sich das gepunktete Trikot.
Dieses Rennen fängt sehr gut an und das ist wichtig für die Moral und das Selbstvertrauen. Heute habe ich mich richtig gut gefühlt und ich bin überhaupt nicht enttäuscht, auf dem zweiten Platz hinter Cancellara gelandet zu sein. Cancellara ist in diesem Bereich so stark und momentan in Superform. Ich mag das Punktetrikot, aber mein Ziel ist natürlich, es gegen das gelbe Trikot einzutauschen. Ich glaube, dass ich die bestmögliche Kondition habe und was die Führungsrolle im Team betrifft, sollte es kein Problem sein. In jedem Fall müssen alle zusammenarbeiten, damit wir einem von uns zum Sieg verhelfen.
1. Fabian Cancellara, 2. Alberto Contador, 3. Bradley Wiggins, 4. Andreas Klöden, 5. Cadel Evans
Contador, Evans und Sastre sind über die Ziellinie gegangen, ohne der Zeit von Fabian Cancellara gefährlich zu werden, der hier seinen vierten Sieg bei der Tour de France holt. Der Schweizer sichert sich am ersten Renntag das gelbe Trikot, wie bereits 2004 und 2007.
Der Schweizer hat die Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 47,6 km/h absolviert und die Zeit von Wiggins um 19" verbessert. Der Olympiasieger überholte sogar Denis Menchov, der 1’30" vor ihm auf die Strecke gegangen war.
Der Brite hat die Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 46,9 km/h absolviert. Er führt im vorläufigen Klassement mit 3" Vorsprung auf Klöden.
Der Sieger der Tour 2007 hat die Zeit von Tony Martin am Gipfel um 5" unterboten und greift jetzt auch nach dem gepunkteten Trikot...