Tagebuch der Etappe

étape 9 - Saint-Gaudens Tarbes 160.5 km
Sonntag 12 Juli

Fedrigo hat den Italiener im Griff

Pierrick FEDRIGO (FRA)© A.S.O.

 

Die franko-italienischen Duelle prägen schon seit langem die europäische Sportgeschichte. Der Beitrag von Pierrick Fedrigo kann sich zum Zeitpunkt der Abrechnung als wertvoll erweisen, denn der Fahrer vom Team Bbox Bouygues Télécom hat zu dieser Konfrontation nun schon eine zweite ruhmreiche Seite geschrieben. Nach dem Sieg im Jahre 2006 im Sprint gegen Salavatore Commesso (Gap) ist Fedrigo diesmal mit sehr viel Finesse und Kraft vorgegangen, um einen weiteren Italiener, Franco Pellizotti, in Tarbes zu schlagen. Die beiden Männer haben den grössten Teil des Tages zusammen verbracht, insbesondere auch als Duo die letzten Kilometer auf dem Anstieg zum Col du Tourmalet. Ihre Zusammenarbeit war auf den verbleibenden 70 km bis nach Tarbes überaus wirksam.

Euskaltel wollte dabei sein

Die Diskussionen und Einschüchterungen bis zur Bildung des heutigen Ausreissversuchs rissen zunächst nicht ab. Eine erste Gruppe mit 13 Fahrern konnte sich nur unter großen Mühen absetzen: Haussler (CTT), Voigt (SAX), Pate (GAR), Riblon (ALM), Vaugrenard (108), Augé, Duque (COF), Righi (LAM), Fedrigo (BBO), Devolder (QST), Fothen (MRM), Geschke (SKS) und Pellizotti (LIQ), und das auch erst im zweiten Ansatz. Der Umfang der Ausreissergruppe hat zu einigen Frustrationen geführt, insbesondere beim Team Euskaltel, das befürchtete, bei dieser letzten Etappe in den Pyrenäen nur zu den Zuschauern zu gehören.

Voigt sprengte die Gruppe

Bei nur rund zwanzig Sekunden Vorsprung riss bei Jens Voigt der Geduldsfaden angesichts dieser unkomfortablen Situation. Er sprengte die Gruppe mit einer Tempoerhöhung bei km 22. Nur Pellizotti, Duque und Fedrigo konnten noch mithalten. Danach konnte die verkleinerte Ausreissergruppe sich relativ gut absetzen und den Anstieg zum Col d’Aspin mit einem Vorsprung von 5’05"" auf das Hauptfeld in Angriff nehmen.

2’45’’ am Col d’Aspin

Bei diesem ersten Anstieg zeigten sich die orangefarbenen Trikots vom Team Euskaltel erneut unternehmungslustig und luden zur Bildung einer Verfolgergruppe ein. Dazu kamen Van de Broeck (SIL), Paulinho (AST), Garate, Ten Dam (RAB), Martinez, Txurruka (EUS), Efimkin (ALM), Moncoutié (COF) und Voeckler (BBO) zusammen. Am Col d’Aspin machten sich die Anstrengungen langsam bemerkbar: Die Führungsgruppe, aus der Duque ausgeschieden war, hatte immer noch 2’45’’ Vorsprung auf die ersten Verfolger, 3’30’’ auf das Hauptfeld.

Die Favoriten unsichtbar

Der Anstieg zum Col du Tourmalet bot eine Gelegenheit, das Auswahlverfahren fortzusetzen. Dieses Mal war es Pellizotti, der dem Trio 10 km vor dem Gipfel ein brutales Tempo aufzwang. Voigt musste sogleich abreißen lassen. Die beiden verbliebenen Gefährten harmonierten in der Folge, um sich die Führungsarbeit bis zum Pass gerecht aufzuteilen, der mit 2’40" auf die Verfolger und 5’10" auf das Peloton erreicht wurde. Der letzte Anstieg der Pyrenäen bei der diesjährigen Tour hat die Titelfavoriten nicht inspiriert, die es dem Gelben Trikot und seinen Teamgefährten überlassen haben, das Tempo im Hauptfeld zu bestimmen.

Caisse d’Epargne wollte um die Etappe fahren

Pellizotti und Fedrigo hatten dann noch 70 Kilometer bis zum Ziel zu absolvieren. Doch die Abfahrt und vor allem die Ebene vor der Zielankunft in Tarbes sollten das Interesse der Fahrer von Columbia und Caisse d’Epargne noch einmal wecken. Das vorgegebene Tempo war fatal für die Verfolgergruppe, die 40 km vor der Zielankunft geschluckt wurde. Die beiden Etappenaspiranten an der Spitze lösten sich vorne weiter ab und hatten daraufhin mehr als 70 Fahrer auf den Fersen. Es blieben ihnen 20 km vor dem Ziel noch 2’30" Vorsprung. Und 3 Kilometer vor der Ziellinie reichten 40" noch, um es bis zum Schluss zu versuchen, nur durfte nicht zurückgeblickt werden. Die Strategie von Pellizotti, der mehr als einen Kilometer am Hinterrad seinen Partners und Kontrahenten verbrachte, schien sich zunächst auszuzahlen. Der Italiener setzte sich kurz vor der letzten Kurve - 200 m vor der Ziellinie - vor Fedrigo. Die verbleibende Distanz reichte dem Fahrer von Bbox Bouygues Telecom jedoch, um noch einmal zum finalen Sprint anzusetzen. Er hatte nicht einmal Zeit, auf der Ziellinie die Arme zum Jubel hochzureißen, gewann aber dennoch seine zweite Etappe bei der Tour de France.